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zusammengestellt aus mehreren
Quellen von
Dr. med. Jochen Kubitschek
Geschichte
Im
Jahre 1817 veröffentlichte der englische Arzt James Parkinson
einen Artikel “Essay on the shaking palsy“ in dem er genau
anhand der von ihm zusammengetragenen
Fälle das Krankheitsbild der später nach ihm benannten Funktionsstörung
beschrieb. Aus der wörtlichen Übersetzung von „shaking palsy“
stammt
die ältere Krankheitsbezeichnung „Schüttellähmung“, obwohl
es sich nicht um eine Lähmung im klassischen Sinne, wie z.
B. nach einem Schlaganfall zu beobachten,
handelt. Die von Parkinson beschriebene Symptomatik hat jedoch
heute noch ihre volle Gültigkeit.
Die
therapeutischen Möglichkeiten der Parkinson`schen Erkrankung
waren zunächst sehr gering; als ersten Fortschritt konnte
der Einsatz von Extrakten aus Nachtschattengewächsen
( z. B. Tollkirsche, Stechapfel) verbucht werden. Diese pflanzlichen
Drogen wurden später durch synthetische Mittel (sogenannte
Anticholinergika) ersetzt. Sie
blieben lange Zeit die einzige medikamentöse Behandlung.
Mit
dem wachsenden Verständnis über die biochemischen Veränderungen
im Gehirn der von dieser Krankheit Betroffenen gelang es bald,
hochwirksame Mittel bereitzustellen. Ein entscheidender
Durchbruch war die Einführung von L-Dopa-haltigen Präparaten
(L-Dopa ist eine Vorstufe von Dopamin, ein zentraler
Botenstoff, der bei der Parkinson`schen Erkrankung
eine wichtige Rolle spielt). In neuerer Zeit sind eine ganze
Reihe von Medikamenten auf den
Markt
gekommen, die entweder die Freisetzung von Dopamin im Gehirn
stimulieren oder seinen Abbau hemmen. Die Verpflanzung von
Dopamin-freisetzenden Gewebe
in das Gehirn von Parkinson-Kranken scheint langsam
an Bedeutung zu gewinnen, während sonstige operative Maßnahmen
nur bei schweren nicht medikamentös
beeinflussbaren Verläufen in Frage kommen.
Trotz
dieser Erfolge ist die Therapie der Parkinson`schen Erkrankung
auch heute noch eine symptomatische, d. h., nur die verschiedenen
Erscheinungsbilder können
beinflußt werden, die eigentliche Ursache, die man nicht kennt,
kann nicht angegangen werden. Auch lässt sich das Fortschreiten
der Krankheit bestenfalls
verzögern, aber nicht aufhalten.
Epidemiologie
Die
Parkinson`schen Erkrankung
beginnt im allgemeinen zwischen dem 40. und 70. Lebensjahr
mit einem Gipfel in der 6. Dekade. Sie ist selten bei Patienten
unter 30 Jahren; bei einem
Beginn vor dem 20. Lebensjahr spricht man von einem „juvenilen
Parkinsonismus“, der meistens erblich bedingt ist.
In
den westlichen Ländern leiden ungefähr 1% der 65 jährigen
an der Parkinson-Krankheit; die Erkrankungshäufigkeit nimmt
mit zunehmenden Alter zu (ca. 55 Fälle
auf 100.000 Einwohner bei den 70 jährigen). Männer sind etwas
häufiger betroffen als Frauen (ca. 3:2).
Definition und Klassifikation
Die
“Parkinson`schen Erkrankung”, wie sie von Parkinson
beschrieben wurde, macht ca. 80% aller Fälle von Parkinsonismus
aus. Man spricht hier vom primären
oder idiopathischen Parkinsonismus (Parkinsonismus, Parkinson`schen
Erkrankung, Morbus Parkinson sind synonyme Begriffe). Daneben
gibt es noch eine ganze Reihe ähnlicher Krankheitsbilder mit
der gleichen Symptomatik, bei denen man jedoch die Ursache
(n) ihrer Entstehung kennt.
Man
unterteilt diese Erkrankungen in 4 Klassen:
- Primärer oder idiopathischer
Parkinsonismus
- Sekundärer Parkinsonismus
- Parkinson-Plus Syndrome
- Heredodegenerative Erkrankungen
Die
Tabelle 1 gibt einen Überblick (ohne Anspruch auf Vollständigkeit)
über die einzelnen Erkrankungen, die unter die oben erwähnten
Klassen fallen:
Tabelle
1 - Klassifikation des Parkinsonismus (modifiziert nach Ch.H.
Waters, Diagnosis and Management of Parkinson`s Disease, Los
Angeles 1998)
1.
Idiopathischer Parkinsonismus
Parkinson'ssche Erkrankung
2.
Sekundärer Parkinsonismus (Durch bestimmte Stoffe, Erreger
oder sonstige Ursachen hervorgerufene Parkinsonsymptomatik)
Durch Medikamente hervorgerufen
- Neuroleptika (z. B. Haldol), aber auch
Metoclopramid
-
Reserpine, Tetrabenazine
- Lithium
- Flunarizin, Cinnarizine,
Diltiazem
Hemiatrophie-Hemiparkinsonismus
Hydrocephalus
Hypoxie
(Sauerstoffmangel)
Infektiös
bedingt
-
Infektionen durch Mykosen (Pilze)
-
AIDS (acquired immune deficiency syndrome)
Postencephalitischer
Parkinsonismus (nach durch Erreger verursachte entzündliche
Hirnerkrankung)
-
Creutzfeldt-Jakob Erkrankung
Stoffwechselbedingter
Parkinsonismus
-
Hypocalcaemischer Parkinsonismus (bei Störungen
des
Calcium-Stoffwechsels)
-
Chronische hepatocerebrale Degeneration
Psychogener
Parkinsonismus
Trauma
(z.B. Boxhiebe an den Kopf, Unfälle mit Schädel-
Hirn Verletzungen)
Vergiftungen
durch
Tumorbedingt,
z. B. Paraneoplastischer Parkinsonismus
Gefäßbedingt
Multi-infarkt
bedingt
Binswanger'sche
Erkrankung
3.
Parkinson-Plus Syndrome (Patienten mit Parkinson-Plus haben
zu ihrer Parkinson-Symptomatik noch Syndrome einer der nachstehend
genannten
Erkrankungen)
-
Kortical-basal ganglionäre Degeneration
-
Dernentielle
Syndrome
-
Alzheimer-Krankheit
-
Pick'sche
Krankheit
-
Multiple
System Atrophie
-
Striatonigrale
Degeneration
-
Shy-Drager Syndrome
-
Sporadische
olivopontocerebelläre Atrophie
4. Heredodegenerative Erkrankungen (erblich bedingte Erkrankungen,
die ebenfalls eine Parkinson-Symptomatik aufweisen können)
-
Ceroid-Lipofuscinose
-
Gerstmann-Strausler-Scheinker
Krankheit
-
Hallervorden-Spatz
Krankheit
-
Huntington'sche
Erkrankung
-
Familiäre
olivopontocerebellare Atrophie
-
Wilson'sche
Krankheit
Im
folgenden wird nur auf den idiopathischen Parkinsonismus näher
eingegangen.
Pathophysiologie: Ansatzpunkte
für die Therapie
Die
Erkrankung betrifft das Gebiet der Stamm- oder Basalganglien.
Dies sind Kerne im Gehirn mit grauer Substanz, denen eine
besondere Bedeutung bei der Kontrolle
und Modifizierung von Bewegungsimpulsen zukommt. Zu diesen
Kernen rechnet man Globus pallidus, Putamen und Nucleus caudatus
(die letzten beiden bilden
zusammen ein Areal, das man Striatum nennt), Substantia nigra,
Nucleus subthalamicus, Thalamus und Nucleus ruber.
Die
Substantia nigra ist das Kerngebiet, das am meisten beim Parkinson-Syndrom
in Mitleidenschaft gezogen ist. Durch Verbindungen zwischen
den Kernen entsteht ein
kompliziertes System, das unsere Bewegungen reguliert. Eine
Störung in diesem Regelmechanismus bedingt demnach entsprechende
Störungen im Bewegungsablauf.
Die
Verbindungen der Kerne untereinander werden durch Botenstoffe
(sog. Neurotransmitter) aufrecht erhalten. Die wichtigsten
Botenstoffe sind Dopamin und Acetylcholin,
die beim Gesunden in ihrer Konzentration genau ausbalanciert
sind. Bei der Parkinson-Krankheit wird in der Substantia nigra
zunehmend weniger Dopamin
gebildet, wodurch Acetylcholin ein Übergewicht erhält. Dieses
Ungleichgewicht stellt den Ansatzpunkt für die medikamentöse
Therapie dar: Man versucht
entweder die Dopaminkonzentration zu erhöhen, oder die erhöht
Acetylcholinkonzentration abzusenken, damit das Gleichgewicht
sich wieder - allerdings
auf einem niederen Niveau - einstellt.
Diagnose
Die
Diagnose des Parkinson-Syndroms wird durch die klinische Untersuchung
gestellt, wobei mindestens zwei der Kardinalsymptome vorliegen
müssen. Die Diagnose kann
abgesichert werden, wenn die Krankheit einseitig mit einem
Ruhetremor (Zittern im Ruhezustand) begonnen hat und
die Symptomatik sich auf
die Gabe von L-Dopa oder Apomorphin bessert.
Die Verlaufsbeobachtung mit dem Auftreten von Wirkungsschwankungen
sichert die Diagnose weiter ab.
Zur
Zusatzdiagnostik gehört weiterhin ein CT (Computertomogramm,
röntgenologische Schichtuntersuchung des Gehirns), um irgendwelche
anderen Ursachen (z. B. Geschwülste, verkalkte Hirngefässe
etc.) auszuschließen. In neuerer Zeit wird gerne auch eine
Magnet-Resonz- Tomographie (MR) durchgeführt, die empfindlicher
ist und mit deren Hilfe sich manchmal kleine Beschädigungen
der oben erwähnten Kerne nachweisen lassen. Mit der
Positronen-Emissions-Tomographie (PET) werden Veränderungen
im Stoffwechsel der Botenstoffe sichtbar. Diese Methode wird
derzeit allerdings nur zu
Forschungszwecken eingesetzt.
Symptome der Parkinson’schen
Erkrankung
Die
Krankheit beginnt schleichend mit relativ unspezifischen Symptomen.
Oft führen Schulter- und Nackenschmerzen den Patienten zum
Arzt. Relativ häufig finden
sich auch depressive Verstimmungen in der Anfangsphase. Später
bildet sich das Vollbild der Erkrankung heraus mit den nachstehend
beschriebenen sog. Kardinalsymptomen:
Akinese:
Als
Akinese wird eine Bewegungsstörung verstanden, bei der die
Patienten Schwierigkeiten haben, einen Bewegungsablauf in
Gang zu bringen und durchzuführen. Zum Beispiel kann es für
einen Parkinson-Kranken unmöglich sein, vom Stuhl aufzustehen
und einige Schritte zu laufen oder eine Tasse vom Tisch zum
Mund zu führen. Bei der Akinese handelt es sich nicht um eine
Lähmung, die Kraft ist meist erhalten. Vielmehr gelingt es
nicht, den vom Gehirn
kommenden Bewegungsimpuls auf die Muskeln zu übertragen und
damit umzusetzen. Betroffen können alle willkürlich beeinflussbaren
Muskelgruppen des Körpers sein: Sind die Gesichtsmuskeln betroffen,
nimmt das Gesicht der Kranken eine eigentümliche Starre an.
Beim Gehen schwingen die Arme nicht mehr mit, der Gang selbst
wird kleinschrittig. Oft sind die Patienten nicht mehr in
der Lage, eine Bewegung, die sie gerade durchführen,
auch wieder abzubremsen. So stolpern sie, anstatt anzuhalten,
noch einige Schritte weiter. Leichte Körperstöße versetzen
die Patienten unwillkürlich in Bewegung.
Im
fortgeschrittenen Stadium liegen die Erkrankten in eigentümlich
starrer Haltung im Bett und sind unfähig, noch eine Bewegung
durchzuführen. Bei längerer Krankheitsdauer kann es vorkommen,
dass die Patienten eine kurzdauernde Phase der Unbeweglichkeit
erfahren. So können sie wie angewurzelt vor einer Tür stehen,
unfähig sie zu öffnen und durchzugehen. Man nennt dies den
„freezing effect“ (Eingefroren-sein).
Rigor
Unter
Rigor versteht man eine Tonuserhöhung der Muskulatur. Versucht
man z. B., den Arm des Patienten zu beugen, verspürt man einen
zähen, wachsartigen Widerstand. Hebt man beim liegenden Kranken
den Kopf an und lässt dann plötzlich los, so fällt der Kopf
nicht schnell auf das Kissen, sondern
sinkt langsam, fast zeitlupenartig zurück. Diese Tonuserhöhung
der Muskulatur ist auch im Ruhezustand vorhanden und kann
den Kranken schlimme Schmerzen verursachen. Prüft man den
Tonus der Gliedmaßen, so fällt häufig auch das sogenannte
„Zahnradphänomen“ auf: Die Muskeln geben einer passiven Bewegung
nicht gleichmäßig, sondern ruckartig nach.
Die
Tonuserhöhung der Rumpfmuskulatur führt zur typischen vornübergebeugten
Haltung der Parkinson-Kranken. Diese andauernde Fehlhaltung verursacht wiederum Rückenschmerzen. Der Rigor der Fuß- und
Wadenmuskulatur ruft sehr schmerzhafte Krämpfe hervor.
Tremor
Der
Tremor (=Ruhezittern) ist das am häufigsten vorkommende Symptom
der Krankheit. Es handelt sich um ein rythmisches Zittern
der Hände (ähnelt dann z. B. dem Pillendrehen bzw. Münzenzählen)
oder Füße im Ruhezustand. Später kann die ganze Extremität
davon befallen sein, in selteneren Fällen der
Kopf (Ja- oder Nein-Tremor), die Lippen oder die Zunge und
die Augenlider. An den Gliedmaßen ist der Tremor oft einseitig
ausgeprägt. Er kann während
eines Bewegungsablaufes verschwinden oder sich abschwächen
und setzt nach vollendeter Bewegung wieder ein. Manchmal gelingt
es den Patienten,
etwa einen Tremor der Hand dadurch zu unterdrücken, indem
sie einen Gegenstand umklammern. Bei schweren Verläufen kann
das Zittern auch durch Medikamente nicht mehr ausreichend beherrscht werden,
so dass nur noch ein gehirnchirurgischer Eingriff Linderung
bringt.
Weitere
Symptome:
Im
Verlauf der Erkrankung verlieren die Patienten häufig ihre
Spontanität und wirken oft antriebsarm. Auch die Denkabläufe
scheinen verlangsamt. Man
spricht hier von „Bradyphrenie“. Die Sprache
kann manchmal leise werden, die Sprachmelodie wirkt monoton.
Ursache ist wohl der Rigor der Atem- und Sprechmuskulatur.
Diese Beeinträchtigung wirkt sich auch beim Essen
aus: Der Vorgang des Essens ist verlangsamt, dazu gesellen
sich noch Schluckstörungen. Daneben ist der
natürliche Vorgang des Speichelschluckens gestört,
so dass häufig der Speichel aus dem Mund rinnt. Die Darm-
und Blasentätigkeit scheint ebenfalls gestört. Viele Patienten
leiden an einer Verstopfung und haben Schwierigkeiten, die
Blase vollständig zu entleeren.
Bei
der Parkinson’schen Erkrankung kommt es darüber hinaus
zu einer vermehrten öligen Talgproduktion der Haut, besonders
im Bereich des Kopfes. Das sog. Salbengesicht (eine fettig
glänzende Gesichtshaut) und vermehrte Kopfschuppen mit fettigem
Haar sind die Folgen.
Offenbar
ist auch die Schweißsekretion krankhaft beeinträchtigt. Es
ist bekannt, dass Parkinson-Kranke zu exzessivem Schwitzen
neigen. Dies bessert sich jedoch meist unter der medikamentösen
Therapie. Die Muskulatur der Augenlider ist ebenfalls in Mitleidenschaft
gezogen. Der Lidschlag wird seltener, wodurch die „Scheibenwischfunktion“
der Augenlider beeinträchtigt ist. Damit ist der Boden für
Bindehautentzündungen bereitet.
Es
besteht ferner eine Beeinträchtiung der Handschrift. Dabei
wird die Schrift immer kleiner, bis sie kaum noch lesbar ist.
Eine optimale Therapie des Morbus Parkinson kann das Schriftbild
wieder normalisieren. Die Veränderung der Handschrift ist
für den Arzt ein wertvoller diagnostischer Hinweis.
Psychische Störungen
Die
Bradyphrenie wurde bereits oben erwähnt. Sie darf nicht mit
der Demenz verwechselt werden, die bei ca. einem Drittel der
Parkinson-Patienten in mehr
oder weniger deutlicher Ausprägung auftritt. Es handelt sich
hier um einen geistigen Abbau, der sich vorwiegend in nächtlichen
Verwirrtheitszuständen äußert. Manche Parkinson-Medikamente
rufen ähnliche Symptome als Nebenwirkungen hervor, so dass
es manchmal schwierig ist, zwischen einer krankheitsbedingten
oder medikamentösen Störung zu unterscheiden. Oft erlaubt
nur das Absetzen bestimmter Medikamente eine sichere Diagnose.
Fast jeder zweite Patient
leidet darüber hinaus an depressiven Verstimmungen, die leicht
bis mittelschwer ausgeprägt sind, häufig jedoch mit der Zeit
abklingen oder verschwinden. Sie bedürfen jedoch in jedem
Fall einer entsprechenden Therapie.
Dass
Parkinson-Kranke unter Schmerzen leiden, wurde bereits gesagt.
Nicht selten führen Gelenkschmerzen den Patienten zum Orthopäden.
Schmerzen im Bereich der linken Brustseite werden oft als
Herzerkrankung fehlgedeutet. Erst der weitere Verlauf der
Krankheit führt dann zur richtigen Diagnose.
Behandlung
Die
Behandlung mit Medikamenten stellt den Schwerpunkt der Therapie
des Morbus Parkinson dar. Eine wesentliche Ergänzung bilden
krankengymnastische und
sonstige physiotherapeutische Maßnahmen. Oft müssen jedoch
die Patienten durch eine Arzneimittel-Therapie in die Lage
versetzt werden, physiotherapeutische Behandlungen vorzunehmen.
Chirurgische Eingriffe spielen eine untergeordnete Rolle und
sind heute nur schweren Fällen vorbehalten und auch nur dann,
wenn eine vorangegangene Behandlung mit Antiparkinson-Mitteln
keine ausreichende Besserung gebracht hat.
1.
Medikamentöse Therapie
Die
medikamentöse Therapie des Morbus Parkinson ist meistens
eine Kombinations-Therapie, d. h., es werden mehrere Medikamente
mit unterschiedlichen Wirkungsaspekten verabreicht. Nur in
den Frühphasen der Erkrankung kommt man mit einem Arzneimittel
aus. Die Dosierung sollte in jedem Fall individuell erfolgen
- soviel wie nötig und so wenig wie möglich. Auf Dosierungsangaben
wird deshalb bei der Besprechung der einzelnen Stoffklassen
verzichtet.
Anticholinergika
Diese
stellen die älteste Behandlungsform der Erkrankung dar und
haben auch heute noch einen gewissen Stellenwert. Wie oben
bereits erwähnt, kommt es beim Parkinson zu einer Störung
des Dopamin - Acetylcholin Gleichgewichtes, wobei Acetylcholin
ein Übergewicht erhält. Durch Anticholinergika wird dieses
Ungleichgewicht abgefangen und die Balance auf niederem Niveau
wieder hergestellt. Sie können allein oder in Kombination
gegeben werden und wirken auf den Tremor, weniger auf den
Rigor und schlecht bei Bradyphrenie. Die häufigsten Nebenwirkungen
sind: trockener Mund, Verstopfung, Schwierigkeiten beim Wasserlassen.
Bei Überdosierung können Verwirrtheitszustände und Halluzinationen
auftreten. Bei Patienten, die unter grünem Star leiden, kann
ein Glaukomanfall ausgelöst werden. Wichtige Vertreter dieser Stoffgruppe sind Biperiden, Trihexyphenidyl,
Benztropin und Procyclidin.
Amantadine
Die
Gabe von Amantadin stimuliert die Dopamin-Freisetzung
im Gehirn, daneben wirkt es auch anticholinergisch. Die Präparate
können als Ersatz für Anticholinergika
zur Anwendung kommen, wirken jedoch schwächer auf den Tremor.
Nebenwirkungen sind: Übelkeit, Beinödeme, Verfärbung der Haut
an den Beinen.
Bei Überdosierung können Verwirrtheitszustände und Halluzinationen
auftreten. Amantadinhydrochlorid
und Amantadinsulfat sind die wichtigsten Vertreter dieser
Stoffklasse.
MAO-B Hemmer
Selegilin
ist hier das derzeit am häufigsten verordnete Medikament.
Es hemmt im Gehirn ein Enzym, das den Abbau von Dopamin fördert.
Durch gleichzeitige Verordnung von L-Dopa-Präparaten
kann über eine gewisse Zeit die Dosis von
L-Dopa
niedrig gehalten werden. In einigen Ländern wird es
auch als Monotherapie in den frühen Phasen der Erkrankung
eingesetzt. Im weiteren Krankheitsverlauf reicht jedoch die
alleinige Therapie mit Selegiline nicht mehr aus und
es müssen zusätzlich andere Präparate gegeben werden. Selegiline
ist gut verträglich, es kann jedoch bei empfindlichen Patienten
wahnhafte Zustände hervorrufen.
Dopamin-Agonisten
Diese
Mittel führen zu einer vermehrten Empfindlichkeit an spezifischen
Bindungsstellen für Dopamin im Gehirn. Sie können allein und
in Kombination mit anderen Parkinson-Mitteln, vor allen
L-Dopa, eingesetzt werden und wirken gut auf die Kardinalsymptome
der Parkinson`schen Erkrankung.
Nebenwirkungen
sind: Übelkeit, Dyskinesien (= unwillkürlich ablaufende Bewegungen), Verwirrtheitszustände, Halluzinationen und Blutdruckabfall
kurz nach
dem Aufstehen. Die wichtigsten Stoffe sind: Bromocriptin,
Pergolid, Pramipexol, Ropinirol.
COMT-Hemmer
Vertreter
dieser Stoffgruppe (Tolcapon, Entacapon) hemmen ebenfalls
ein Enzym, das am Abbau von Dopamin beteiligt ist. Sie stellen
die neuesten Entwicklungen auf dem Gebiet der Anti-Parkinson
Therapie dar. COMT-Inhibitoren werden meistens zusammen
mit L-Dopa gegeben und wirken gut auf alle Parkinson-Symptome.
Nebenwirkungen sind u.a.: Übelkeit, Durchfall, Müdigkeit,
Kopfschmerzen, Dyskinesien, eventl. Verfärbung des Harns.
L-Dopa
L-Dopa
ist eine Aminosäure, die im Gehirn zu Dopamin umgewandelt
wird, und damit dem Dopamin-Mangel im Gehirn des Parkinson-Kranken
entgegenwirkt.
Damit diese Umwandlung nicht in der Körperperipherie stattfindet,
gibt man Stoffe hinzu (Carbidopa, Benserazid), die diese periphere
Verstoffwechslung hemmen. Die Therapie mit L-Dopa Präparaten
stellt die zentrale Behandlungsmöglichkeit der Erkrankung
dar und über kurz oder lang wird jedem Parkinson-Kranken ein
L-Dopa Präparat verordnet. Allerdings muss im Verlauf
der Erkrankung die Dosis oft erhöht werden, um ausreichende
Wirkung zu erzielen. Deshalb beginnt man mit einer möglichst
niedrigen Dosierung und fügt ein oder mehrere Medikamente
aus den o. g. genannten Stoffklassen später hinzu, um möglichst
lange mit der niedrigen L-Dopa Dosis einen zufriedenstellenden
Effekt zu erreichen. Nebenwirkungen sind: Übelkeit, Erbrechen,
Appetitlosigkeit, Schlaflosigkeit, Schwindel, Herz-Kreislaufbeschwerden,
Verwirrtheitszustände, Dyskinesien.
2.
Physiotherapie
Hierzu
gehören Krankengymnastik mit einer speziellen Bewegungstherapie,
um die Bewegungsstörungen zu lindern und Fehlhaltungen zu
korrigieren. Eine Sprachtherapie
unterstützt die medikamentösen Maßnahmen, besonders wenn die
Sprech- und Schluckmuskulatur von der Krankheit beeinträchtigt
ist.
Darüber
hinaus sollten spezielle Trainingsprogramme durchgeführt werden,
in denen der Patient wieder lernt, die Verrichtungen des Alltags
durchzuführen, um möglichst
lange ein selbständiges Leben zu führen. Viele pharmazeutische
Firmen, die Anti-Parkinson Mittel vermarkten, stellen Material
für krankengymnastische
oder Sprach-Übungen zur Verfügung. Selbsthilfegruppen bieten
weitere Unterstützung an.
3.
Chirurgische Therapie
Es
sollen nur zwei Verfahren erwähnt werden:
Deep-Brain
Stimulation
Dieses
Verfahren wird besonders bei Tremor eingesetzt, der therapeutisch
nicht zu beeinflussen ist. Hierbei wird eine Elektrode in
ein bestimmtes Kerngebiet des Gehirns unter örtlicher Betäubung
eingeführt und die Stimulationsfrequenz bestimmt, bei der
Symptomfreiheit erreicht wird (100-250
Hz). Der Patient erhält eine Batterie, mit der er selbst
später die Stimulation (an - aus) vornehmen kann. Die bisherigen
Erfahrungen mit dieser Methode sind gut.
«Schrittmachertherapie»
beim Morbus Parkinson:
Die
in den siebziger Jahren eingeführten Medikamente zur Behandlung
des Morbus Parkinson sind zu Beginn der Erkrankung sehr wirksam.
Nach fünf bis zehn Jahren allerdings lässt die
Wirkung häufig nach. Gleichzeitig nehmen neurologische
Nebenwirkungen wie Bewegungsunruhe oder Halluzinationen zu.
Manchmal kommt es zwischen den einzelnen Medikamenteneinnahmen
gar zur völligen Bewegungsblockierung. Dieser unstabile Zustand
ist für die Betroffenen und ihre Umgebung sehr belastend.
Die Grenzen der medikamentösen Therapie erneuerten das Interesse
an der Parkinsonchirurgie: Schon vor Einführung der modernen
Parkinsonmedikamente konnte man mit kleinen Zerstörungen tiefer
Hirnregionen das
Zittern
und die Bewegungsarmut mindern. Diese Methode setzte sich
jedoch nicht durch, denn einerseits hatten unterdessen neue
Medikamente den Markt erobert. Andererseits will man den auf
Grund ihrer Krankheit körperlich und oft auch geistig verlangsamten
Parkinsonpatienten keine weitere Schädigung im Gehirn zufügen,
die die Gefahr von zusätzlichen Ausfällen des Sehens, der
Sprache oder des Denkens birgt.
In
den neunziger Jahren begann man daher, die zerstörenden Operationen
durch eine chronische elektrische Stimulation zu ersetzen.
Der amerikanische Hersteller von Herzschrittmachern, Medtronic,
hat die Stimulatoren entwickelt. Wegen Restriktionen
der Food and Drug Administration, wodurch die Anwendung in
den USA blockiert wurde, kamen diese Geräte vorerst nur in
Europa zur Anwendung. Pioniere waren die Gruppe von Alim L.
Benabid in Grenoble und der Zürcher Neurochirurge Jean Siegfried.
Der Stimulator wird wie ein Herzschrittmacher unterhalb des
Schlüsselbeines unter die Haut gepflanzt. Stimuliert wird
über ein mehrkanaliges, feines Kabel, das millimetergenau
im gewählten Kerngebiet des Gehirns platziert wird. Die derart
stimulierten Hirngebiete werden offenbar funktionell ausgeschaltet,
wobei der Effekt dosierbar und reversibel ist. Im Gegensatz
zu den zerstörenden Operationen ist die Stimulation beidseitig
möglich.
Die
Wirkung wird dabei durch den Stimulationsort bestimmt: Die
Stimulation im Bereich des Thalamus wirkt gegen das Zittern.
Eine elektrische Reizung im sogenannten Globus pallidus mindert
besonders die Steifigkeit und- Bewegungsarmut, kann aber wie
die Operation gewisse Störungen des Denkens verursachen. Neuerdings
wendet die Gruppe aus Grenoble nur noch die Stimulation im
noch etwas tiefer gelegenen Nucleus subthalamicus an, was
insgesamt offenbar noch besser wirken und Störungen der Kognition
vermeiden soll. Das Fehlen
derartiger
Nebenwirkungen wurde kürzlich durch die Resultate einer italienischen
Gruppe bestätigt, wird aber von einer anderen, amerikanischen
Untersuchung an schwersten Fällen nicht gestützt.
Die
Erfolge nach Einbau eines Stimulators sind teilweise überwältigend,
so dass den Berichten auf Kongressen zunächst wenig Glaube
geschenkt wurde. Inzwischen können aber viele Zentren die
Wirkung bestätigen.
Ernsthafte
Komplikationen wie Hirnblutungen und Infektionen sind selten
und im Verhältnis zu den Erfolgen tragbar. Die Kosten eines
beidseitigen Stimulatoreinbaus betragen rund 25‘000 bis 30‘000
Franken. Sie werden zu einem großen Teil dadurch kompensiert,
dass sich der Bedarf an Medikamenten etwa halbieren lässt
und eine Pflegebedürftigkeit häufig vermieden wird.
Nach
den erfreulichen Resultaten einer Doppelblindstudie wird die
Neurostimulation bei fortgeschrittenem Parkinsonismus jetzt
auch in den USA zugelassen und breitet sich weltweit rasch
aus. Medtronic schätzt, dass der Umsatz an Neurostimulatoren
in wenigen Jahren rund die Hälfte des Umsatzes an Herzschrittmachem
erreichen wird.(Quelle: Neurology 53, 85-90 (1999)).
Transplantation Dopamin-produzierender
Zellen
Es
werden Zellen von bestimmten Hirngebieten menschlicher Embryonen
eingepflanzt. Ungefähr 200 Patienten wurden bisher mit dieser
Methode
behandelt, allerdings mit unterschiedlichem Erfolg.
Dem Verfahren stehen allerdings auch ethische Bedenken gegenüber.
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