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Was bedeuten Dyskinesien im Alltag aus der Sicht des Patienten?
Dr.
med Wolfgang Götz, Deutsche Parkinson Vereinigung, Ringvorlesung
am 26. Mai 2000
Akute Dyskinesien sind nach den Lehrbuchdefinitionen "Bewegungsstörungen
und Krämpfe, oft im Augenlid-, Zungen- und Schlundbereich
oder schiefhalsähnliche Zustände nach Einnahme von Neuroleptika".
Bei Patienten mit einem einseitigen idiopathischen Parkinson-Syndrom
(IPS) treten die Dyskinesien an der betroffenen Extremität,
sei es Fuß, sei es Arm, verstärkt auf.
In Einklang mit der Feststellung, dass "jeder Patient seinen
eigenen, d.h. individuell ausgeprägten Parkinson hat", haben
dyskinetische Beschwerden viele Gesichter. Sie treten bei
Patienten, die länger als fünf Jahre L-Dopa einnehmen, mit
einer Häufigkeit von 30-50 Prozent auf. Sie sind immer von
der Höhe der L-Dopa-Einnahme abhängig und bilden sich bei
Dosis-Reduktion zurück.
Am häufigsten sind die sogenannten Peak-dose-Dyskinesien.
Sie entstehen auf dem Höhepunkt der L-Dopa-Wirkung, d.h. ca.
eine Stunde nach der Tabletten-Einnahme. Bevorzugt quälen
sie die jüngeren Patienten, die um des Erhalts der Funktionsfähigkeit
willen über längere Zeit, d.h. Monate oder gar Jahre, große
Dopa-"Portionen" konsumieren. Bei mir waren das
immerhin 750-1100mg/die. Das Peinigende an dieser Form ist
neben den nicht unerheblichen Schmerzen die Unvorhersehbarkeit.
Diese "Blitz-Attacken" sind psychisch massiv belastend, weil
sie, wie wenig andere Ereignisse, dem Patienten seine Ohnmacht
"vorführen". Sie schlagen zu beim Kochen, beim Malen, Schnitzen
oder Töpfern, d.h. gerade bei Beschäftigungen, die für den
ausübenden Patienten etwas "Besonderes" darstellen,
bei der Versorgung von Enkeln, Kindern, Haustieren oder Pflanzen,
Partnern etc.
Gerade dabei wird die psychische Belastung besonders deutlich,
denn der Patient weiß ja, dass er/sie unter Umständen besonders
geschätzte Personen gefährdet. Das unterstreicht auch die
Aussage, dass das nähere Umfeld von Betroffenen als genauso
betroffen anzusehen ist wie die Patienten selbst.
Zu nennen sind noch die biphasischen Dyskinesien, weil sie
in der Anflutungs- und Abklingphase einer Dopa-Einnahme auftreten.
Helfen können Umstellungen in der Medikation, d.h. bei den
Einnahmeintervallen und/oder Dosierungen bzw. Einsatz von
Zusatzmedikamenten wie Dopaminagonisten.
Gefürchtet sind bei den Patienten auch die – von der Beziehung
her fast freundlich zu nennenden – early-morning-Dyskinesien.
Sie sind oft sehr schmerzhaft, und da sie bevorzugt Waden,
Füße und Zehen befallen, machen sie die Schritte in einen
neuen Tag nicht eben leichter.
Die Antwort auf die Frage, welche Parkinson-Syndrome der Einzelne
für schlimmer hält – Akinese-Tremor oder Dyskinesien – wird
von der Mehrzahl der Befragten eindeutig beantwortet: die
Dyskinesien.
Was kann der Einzelne den Dyskinesien entgegensetzen? Vorbeugen
ist schwierig, abgesehen von der generellen Anwendung von
Entspannungspraktiken.
Was m. E. besonders wichtig ist, ist das Überwinden der ohnmächtigen
Wut, die immer wieder hochkommt.
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